Casio DG 20

Die Casio Digital Gitarre DG 20 war mal so richtig teuer für ein Spielzeug. Und hat auch einiges zu bieten:

6 stimmig spielbar (ist ja auch wohl eine Grundvorraussetzung für eine Gitarre), eingebaute Tonerzeugung mit 20 Presets, eingebauter Verstärker, eingebauter PCM Drummer mit 12 Rhythmen, 4 Pads zur manuellen Steuerung von Snare, Hi / Lo Tom und Cymbal und Midi Out, wenn die eingebauten Sounds nicht passen. Ich hoffe die Sounds und Rhythmen sind auf dem Foto unten einigermassen zu erkennen, deswegen spar ich mir hier die Auflistung.

Auch bei diesem Casio Instrument sind einige Features eingebaut die durchaus Sinn machen, wie der Mute Taster direkt auf dem Schlagbrett unter der hohen E Saite. Bedingt durch die Klangerzeugung, kann man die angeschlagenen Saiten ja nicht durch Hand auflegen abdämpfen, wenn der Decay oder Reverb Mode eingeschaltet ist.

Auf dem "Schlagbrett" befinden sich auch noch der Rhythmus Start/ Stop Taster und eine Fill In / Syncro Start Taster. Die Funktionen erklären sich , denk ich , von selbst.

Es gibt einen "Solo" Taster der das Gerät auf monophonen Betrieb umschaltet und einen Sustain / Reverb Schalter, der dem Decay noch ein Release zur Hüllkurve beifügt. Also kein Digital Hall oder sowas, sondern reine Hüllkurvensteuerung.

Die 2 Lautstärkeregler regeln den Rhythmus und die Gesamtlautstärke.

Mit den Transpose Tastern lässt sich die Gesamtstimmung um plus / minus 11 Halbtonschritte transponieren. Ein Feinstimmdrehregler lässt eine Feinstimmung von plus / minus 50 Cent zu. Nach dem Einschalten ist die Gitarre auf a=442 Hz gestimmt.

Im Korpus lassen sich 6 Monozellen unterbringen, damit dem Spielvergnügen des Nachts am Lagerfeuer nichts entgegen steht. Netzteil ist aber besser.
Neben der Netzteil Buchse für ein 9 Volt Netzteil, einen Kopfhörerausgang und dem Line Out gibt es noch einen Fussschalteranschluss (Rhythmus Start/ Stop), den Fine Tune Regler, einen Midi Mode Umschalter und die Midi Out Buchse.

Der Midi Mode ist entweder im Mono Mode, also alle Gitarrendaten auf Kanal 1 und Rhythmus auf Kanal 4 oder imPolyphonen Mode, jede Saite auf einen der Kanäle 1-6 und die Rhythmusdaten auf Kanal 16. Im letzten Mode wird die Gitarre zu einem Multicontroler, da man jetzt jede Notenumber jeder Saite einer eigenen Klangerzeugung zuordnen kann. Also: E-Saite steuert den DX 7 Bass, A-Saite eine S 1000 Trompete und die G-Saite halt irgendwas anderes. Das hat zwar nichts mehr mit Gitarrenspiel zu tun, aber es ergeben sich ungeahnte neue Controler Möglichkeiten. Ideal für Experimente.

Die 6 Nylon H-Saiten werden an den Sensoren am Korpus (Bild unten rechts) und am Halsende befestigt. Die Sensoren reagieren nur auf Anschlag, d.h. sie nehmen nicht die Schwingungen ab, sondern triggern die Klangerzeugung. Eigentlich ist es ein Gate Impuls, denn solange die Saite schwingt, kommt auch ein Ton aus dem Lautsprecher, bzw. wird kein Note Off gesendet. Die Stärke des Anschlags hat aber keine Auswirkungen. Nachdem ein Grossteil der Klänge perkussiver Art sind, wie sich das für eine Gitarre gehört, spielt das auch weiter keine Rolle, aber es sind ja auch Orgelklänge eingebaut, die solange klingen, bis die Saiten gedämpft werden.

Das Griffbrett besteht samt Bundstäbchen aus Gummi mit darunter liegenden Schaltkontakten. Dadurch ist eine schnelle Umwandlung in Midi Signale gewährleistet. Die Saitenspannung ist bei jeder Saite gleich und darf nicht zu straff sein, da sich sonst der Plastikhals durchbiegt.
Zum einspannen der Saiten wird ein kleiner Imbusschlüssel benötigt, die E Gitarristen mit Floyd Rose oder Kahler Tremolo wohl kennen dürften.

Die enge Mensur und der geringe Saitenabstand, sowie die gleiche Saitenspannung und Saitendurchmesser erschweren das Gitarrenspiel und es muss schon ziemlich exakt gespielt werden. Hat man das aber erst einmal raus, lassen sich sehr schön Gitarrenbegleitungen über Midi in einen Sequenzer einspielen. Die fehlende Anschlagdynamik macht sich da kaum bemerkbar und die hörbaren Verzögerungen einer midifizierten E Gitarre fehlen ganz.
Gitarristen werden aber letztere wohl der Casio DG 20 Gitarre vorziehen, da Saitenbendings, Vibrato und andere Effekte mit diesem Gerät nicht machbar sind.


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